Verteilung der Grundkosten

2019-10-26 jW

Der neue Betreiber verteilt die Grundkosten offensichtlich nicht mehr über die qm Wohnfläche sondern über die Leistung der Übergabestation. Ist das gerecht?

Das Verteilen der Verbrauchskosten erscheint einfach: Je mehr Wärme ein Teilnehmer entnimmt, desto größer ist sein Anteil an den Verbrauchskosten. Am Ende müssen alle Verbrauchskosten auf alle Verbrauer verteilt werden. Um dies fair zu gestalten, sind Messgeräte an jeder Entnahmestelle eingebaut. Wer laut Messgerät nichts verbraucht, zahlt auch nichts.

Etwas schwieriger wird die Verteilung der Grundkosten. Diese Kosten entstehen selbst dann, wenn gar nichts verbraucht wird: Miete für die Heizzentrale, Versicherungen, Abschreibungen und Wartung auf die Öfen, kaufmännische Verwaltung, Bereitstellung einer Notrufnummer und so weiter. Diese Kosten entstehen, damit der Betreiber sein Versprechen zur Lieferung von Wärme einlösen kann (vertragliche Lieferpflicht).

Wie sollen nun diese Grundkosten fair verteilt werden?

Jeder angeschlossene Teilnehmer darf erwarten, dass Wärme immer dann geliefert wird, wenn sie gebraucht wird. Für den Betreiber heißt das, er muss sich bei seiner Kapazität so aufstellen, dass auch bei Spitzenlast die Versorgung nicht zusammenbricht.

Die Menge der möglicherweise entnommenen Wärme bestimmt sich aus der Leistungsfähigkeit der Wärmeübergabeeinheiten in den angeschlossenen Häusern. Im Wohngebiet haben die Einfamilien-Reihenhäuser – soweit bekannt – alle eine 20 KW Übergabestation. In den angeschlossenen Mehrfamilienhäusern sind entsprechend größere Übergabestationen, weil hier potentiell zur selben Zeit mehr Leistung (Wärme) abgerufen werden kann. Denken wir einfach an einen Morgen im Winter: Alle wollen ihre Wohnräume wieder wärmer als es in der Nacht war und viele wollen gleichzeitig heiß duschen.

Ein Teil der Grundkosten entsteht unabhängig davon, ob eine Wärmeübergabeeinheit viel oder wenig abrufen kann (Verwaltung, Notrufnummer und ähnlich). Ein anderer Anteil an den Grundkosten hängt von der möglichen Menge der Wärme ab, die vom Betreiber jederzeit bereitzustellen ist (Anzahl und Größe der Öfen etc.). Das heißt, wer eine besonders leistungsfähige Übergabestation hat, verursacht beim Betreiber höhere Grundkosten.

Es erscheint also fair, wenn alle Teilnehmer ein einheitliches Basisentgelt zahlen und die verbleibenden Grundkosten an der Leitungsfähigkeit der Übergabestation ausgerichtet werden. Je mehr KW Leistung diese hat, desto höher ist der Anteil an den Grundkosten. Diese Abrechnungsform findet so oder ähnlich in vielen Nah- und Fernwärmeverträgen Anwendung; sie kann somit wohl als üblicher Standard bezeichnet werden. Logisch und fair scheint es allemal zu sein.

Wie erfolgte die Abrechnung bisher?

In den alten Verträgen für das Versorgungsgebiet wurde der Grundpreis über die Anzahl der Quadratmeter Wohnfläche ermittelt. Die Einfamilienhäuser im Versorgungsgebiet weichen in ihrer Bauart ein wenig voneinander ab. Hieraus ergibt sich auch eine unterschiedliche Wohnfläche. Die Anschlusswerte der Übergabestationen sind jedoch identisch: 20 KW. Dass alle Einfamilienhäuser identisch leistungsfähige Übergabestationen haben, ist konsequent, da die Bauart und Wohnfläche nicht soweit voneinander abweichen, dass sie auf die Anzahl der Bewohner wirkt. Die Anzahl der morgens potentiell heiß Duschenden ist also nicht vom Haustyp abhängig.

Aufgrund der guten Isolation der Häuser, wird relativ wenig Heizenergie benötigt; die Bauart bzw. Größe der Wohnfläche macht hier also ebenfalls keinen nennenswerten Unterschied aus, sodass die einheitliche Ausstattung bei den Übergabestation in den unterschiedlichen Einfamilienhäusern während der Errichtung des Wohngebietes konsequent war.

Aus Sicht des Betreibers verursachen somit alle Einfamilienhäuser dieselben Grundkosten. Also sollten sie wohl auch denselben Anteil hieran tragen. Beim Modell des bisherigen Betreibers, der die Grundkosten über die Quadratmeter Wohnfläche abgerechnet hatte, mussten die Häuser mit größerer Wohnfläche deutlich mehr als ihre Nachbarn zahlen. War das fair? Über die 20 Jahre Laufzeit der bisherigen Regelung hat das einen Eigner eines großen Hauses um mehrere tausend Euro gegenüber seinen Nachbarn schlechter gestellt, obwohl beim Betreiber jeweils dieselben Kosten verursacht wurden. Wie gesagt, ein eventuell tatsächlich höherer Verbrauch wird ja separat über die Verbrauchskosten abgegolten.

Besonders skurril wirkt, dass bei der Wohnfläche für die Berechnung der Grundkosten mit Werten gearbeitet wurde, die mit der Realität nicht zusammen gehen. Wie zu hören ist, hat der Betreiber die obersten Etagen aus Kulanz über die ganzen Jahre nicht berücksichtigt. Wie es zu dieser Regelung kam und wie diese Regel fair auf die verschiedenen Bauarten der Einfamilienhäuser angewendet wurde (Flachdach, Spitzdach, weitere Etage), kann von hier aus nicht nachvollzogen werden. Allein deshalb ist es gut, dass wir nun eine andere Regelung bekommen!

Der Autor dieses Artikels hat ein relativ großes Haus, profitiert also von der neuen Regelung. Als die neuen Verträge vorlagen, hieß es von einem Nachbarn mit geringerer Wohnfläche: ‚Gut, dann seid ihr jetzt mal im Vorteil‘. Das ist wohl nicht ganz richtig. Die großen Häuser sind nun nicht mehr im Nachteil. Jetzt erscheint es fair für alle.

Obwohl die großen Häuser über die Jahre mit bemerkenswerten Beträgen die Grundkosten der kleineren Häuser letztlich subventioniert haben, verspricht der Autor, keinen Groll gegen die Nachbarn in den kleineren Häusern (den Profiteuren der bisherigen, unfairen Regel) zu hegen! Ein kritischer Blick ist allenthalben in Richtung Stadtverwaltung angezeigt. Die Stadt zwingt die Anwohner per Satzung einerseits in diese Verträge, hatte sich aber offensichtlich nicht um eine Qualitätssicherung der Bedingungen gekümmert – zum Schaden der eigenen Bürger.


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